09. - 15. November12:00 Uhr

Kurt Plötz

Grünkohl ist ein Gedicht

 Wenn es friert bei kaltem Wetter
will ich Dich ins Warme holen
Grün und kraus sind Deine Blätter
liebster mir von allen Kohlen

Die Backe von des Schweines Kopf
gesalzen und grad’ aus dem Rauch
köchelt schon im großen Topf
und das sollst Du nun auch

Backe, mild wie Marzipan
geräuchertes Denkmal vom Holsteiner Schwein
schmiegst Dich dem Grünkohl mit Hingebung an
dass Vollendung entsteht, ganz würzig und fein

Kartoffeln noch, die kleinen runden
sanft und glänzend kross gebraten
ach, wie wird das alles munden
Harmonie aus Stall und Garten

Ein kühles Bier kommt aus dem Keller
das Auge nässt voll Dankbarkeit
Da liegt Heimat auf dem Teller
das Herz wird groß, der Hals ganz weit

Du schönster Grund für Hunger und Durst
du Kirchgang für Gaumen und Magen
Oh herrlicher Grünkohl mit Backe und Wurst
mein Licht in den dunkleren Tagen

Grünkohl Du, mein Faltenglätter
wer Dich nicht liebt und für Dich schwärmt
geht freudlos durch des Herbstes Blätter
mit nichts, was seine Seele wärmt

Ich schmecke Dich, Du Sinn des Strebens
Andacht herrscht in meinem Munde
Ach, ich aß so oft vergebens
bis zu dieser schönen Stunde